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Vom 28. August bis 6. September 2009 ging die Tour der Freakbrothers nach Schottland. Durch Highlands, Pubs und Bed & Breakfast. Hier der Bericht von Frank Pennartz:
Highlander '09
Freakbrothers-Revival-Tour nach Schottland
Die Grundidee, eine Hike neu aufzulegen, bestand eigentlich schon mehrere Jahre, war aber nie über ein „eigentlich müssten wir mal…“ oder „sollten wir nicht noch mal…“ hinausgekommen. Aber irgendwann haben wir uns doch zusammenraufen können und als Ziel einer zehntägigen Wanderreise Schottland auserkoren.
Tag 1: Köln — Glasgow
Am Kölner Flughafen angelangt, hatten wir noch kurz überlegt, an einem Shuttle-Bus die Reifen zu wechseln, um die Fahrt so authentisch wie möglich zu gestalten. Da wir auf sämtlichen Fahrten in die diversen Sommerlager immer am Mercedes 303 die Reifen wechseln mussten oder sonst irgendetwas an der Karre kaputt war, wäre dies ein passender Auftakt gewesen.
Der Flug nach Edinburgh verlief bis auf eine Verspätung von 30 Minuten unspektakulär. Da trotz Billig-Airline alle Rucksäcke wieder vom Band rollten, bekamen wir sogar noch pünktlich unseren Bus zum Bahnhof — haben wir zumindest gedacht. Die planmäßige Fahrzeit des Busses war bereits um das dreifache überschritten, als uns der Verdacht beschlich, im falschen Bus zu sitzen. Am nächsten Provinzbahnhof haben wir dann den richtigen Zug in die richtige Richtung nach Glasgow genommen.
Unserem Alter war die Entscheidung geschuldet, nicht mehr im Zelt zu schlafen sondern in Pensionen (in Schottland auch Bed & Breakfast genannt). Aufgrund navigationstauglicher Handys war unsere Unterkunft in Glasgow auch schnell gefunden. Rucksäcke auf die Zimmer und erst mal Sightseeing und eine Portion Fish and Chips.
Gegen Abend haben wir uns dann auf die Kneipenstraße von Glasgow begeben, um uns mit der Pub-Kultur Schottlands bekannt zu machen. Hat gut geklappt.
Tag 2: Glasgow — Rowardennan Lodge
Am nächsten Morgen sind wir mit dem Zug nach Balmaha aufgebrochen. Balmaha liegt am Südende des Loch Lomond, dem größten Trinkwassersee Schottlands und Startpunkt unserer ersten Etappe auf dem West-Highland-Way. Bereits beim Frühstück (Speck, Bohnen, Würstchen und Toast) war allen eine gewisse Nervosität anzumerken — wie früher im Lager kurz bevor das Büdchen aufmachte.
Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns auf den ca. 16 km langen Weg nach Rowardennan Lodge, einer Jugendherberge direkt am See, die wir gegen 17 Uhr erreichten.
Da es in der Jugendherberge nix zum Abendessen gab, lautete die Empfehlung der Herbergsmutter, den nächsten (und auch einzigen) Pub in der Gegend aufzusuchen. Da sich dort alle Gäste der Jugendherberge und jeder Schafzüchter aus dem Umkreis aufhalten würde, sollten wir uns zügig auf den Weg machen, lautete ein abschließender Hinweis. Schnell duschen — in Schottland gibt es übrigens nur die Temperaturstufen „kochend heiß“ und „klirrend kalt“ — und ab in den Pub.
Aufgrund des Wochenendes war die Kneipe in der Tat bereits um kurz vor 18 Uhr schon so gut besucht, dass wir gerade noch die letzten beiden freien Tische ergattert haben. Im Verlauf des Abend kamen wir dann noch mit einigen Einheimischen ins Gespräch – was uns hierher verschlagen hätte, wie uns Schottland gefiele, wo wir Morgen hinwollten. Die Erwähnung unserer morgigen Unterkunft führt zu einer Mischung aus ungläubigem Staunen und schadenfrohem Gelächter. Wir würden schon sehen, warum.
Später gab es dann auch Live-Musik — ein Mann, eine Gitarre und eine Mundharmonika. Besser hätten wir uns den Abend nicht vorstellen können, riesige Stimmung, sehr gastfreundliche Schotten und gut trinkbares Bier. Nur die Sache mit dem Rauchverbot in Gaststätten nehmen die Schotten im Gegensatz zu unseren Heimatkneipen wirklich ernst.
Tag 3: Rowardennan Lodge — Beinglass Farm
Wecken um 6 Uhr, Frühstück (Toast, Marmelade und etwas, das aussah wie ein Croissant — sah aber nur so aus).
Der zweite Tag am Loch Lomond führte uns vorbei an unzähligen kleinen Wasserfällen auf der einen und dem See auf der anderen Seite. Mal auf Seehöhe, mal 40 oder 50 Meter über dem See, kletterten wir mehr über den West-Highland-Way als dass wir wanderten.
Mittags erreichten wir Rowardennan Hotel, ein Hotel mitten im Nirgendwo, das mit Fertig-Sandwiches, wie man sie hierzulande von der Tankstelle kennt, zur Rast einlud. Ein paar isotonische Getränke (Tennent’s Lager) brachten uns wieder in die Verfassung, den Rest der heutigen 22 km zu meistern. Die letzen Kilometer zu unserer Unterkunft legten wir an diesem Tag mehr in Trance als im Wachzustand zurück, daher war uns auch ziemlich egal, wie diese Unterkunft aussah, über die die Schotten gestern noch gespottet hatten. Übrigens zu Recht, wie sich herausstellte.
Wir waren in sogenannten Wigwams untergebracht, kleinen Holzhütten, die stark an Iglus erinnerten. Diese Wigwams hatten Fenster, die man wegen der Insekten besser zu ließ, eine Heizung, die den Namen nicht verdiente und keinen Nagel oder ähnliches, an dem man die nassen Klamotten aufhängen konnte. Eines unserer beiden Wigwams hatte darüber hinaus noch ein undichtes Dach.
Alles in Allem konnte man hier nur Schlaf finden, indem man sich mit einer ausreichenden Menge Bier die nötige Bettschwere antrank.
Der Abend erstreckte sich dann auch nur über einen Alibi-Haggis (das schottische Nationalgericht aus Schafsinnereien) und ein paar Bier. Haggis ist im Prinzip ein Hackbraten mit eine würzigen Soße auf Muure Jubbel. Wenn man nicht weiß, was man gerade isst, schmeckt der Haggis ganz passabel.
Um 20:30 Uhr war bereits Bettruhe angesagt, da von der Wanderung alle ziemlich platt waren.
Tag 4: Hogwarts Expresss
Da wir ca. 1,5 Stunden mit dem Bus nach Fort William fahren mussten, um dort den Hogwarts Express zu nehmen, war wieder um 6 Uhr Wecken angesagt. Frühstück gab es nicht, da der lokale Pub erst um 8 Uhr öffnete. Die Fahrt mit dem Bus war landschaftlich sehr reizvoll, wurde jedoch vom Großteil der Mitreisenden verschlafen, da die letzte Unterbringung noch einiges an Nachholbedarf übriggelassen hatte.
In Fort William angekommen bestiegen wir dann den Hogwarts Express nach Mallaig an der Westküste Schottlands. Dieser Hogwarts Express diente, wie der Name bereits vermuten lässt, als Zugstrecke für die diversen Harry-Potter-Filme und heißt im wirklichen Leben „Jacobite Steam Train“. Diese, als eine der schönsten Bahnstrecken der Weg ausgeschriebene Route wurde gesäumt von Hunderten Touristen, die auf Bäumen und Anhöhen versuchten, den Zug ins Bild zu bekommen. Äußerlich ziemlich schick, sehen die Waggons innen eigentlich genauso aus wie der Regional-Express Dortmund-Aachen. Selbstverständlich existiert an Bord auch ein Harry-Potter-Devotionalien-Shop, in dem man jeden erdenklichen Mist für den Fan-Altar erstehen kann.
Das Ziel der Reise war der kleine Fischerort Mallaig, der ungefähr die Größe von Boisheim besitzt und definitiv keine Reise wert ist.
Nach zweistündigem Aufenthalt ging es zurück nach Fort William am Fuße des Ben Nevis, dem höchsten Berg Schottlands.
Tag 5: Loch Ness
Die nächste Etappe führte uns an die Ufer des Loch Ness. Nach ca. 20 km auf einem Höhenwanderweg erreichten wir Urquhart Castle, eine Burgruine ohne öffentliche Toilette direkt am Loch Ness.
Nessie haben wir übrigens nicht gesehen.
Tag 6: Rafting
Am nächsten Morgen starteten wir zu einer Rafting Tour auf dem Fluss Tay zwischen Grandtully und Alberfeldy. Da es an diesem Tag ziemlich frisch war, durften wir uns jeder in zwei Neopren-Anzüge quälen, was bei einer Wassertemperatur von lediglich 6 Grad auch ratsam war.
Nach der Rafting-Tour, einem Erlebnis, das nur zu empfehlen ist, hatten wir noch eine Besichtigung
der ortsansässigen Whisky-Destillerie „Dewars“. Auch ein Whisky-Liebhaber muss den Gestank, der bei der Erzeugung dieses Getränks entsteht, als erbärmlich empfinden. Die abschließende Verkostung des Whiskys sorgte auch mehr für entgleiste Gesichter als für einen Ausdruck des Wohlbefindens.
Der Nachmittag führte uns dann nach Blair Atholl, mit einem Ausflug zum Blair Castle, dem Stützpunkt der einzigen legalen Privatarmee der Welt.
Tag 7: Ben Vrackie
Die einzige richtige Bergtour führte uns von Killiecrankie den Ben Vrackie hinauf. Wir hatten uns den Tag mit dem schlechtesten Wetter für den Aufstieg ausgesucht. Heute fiel der Regen einem Zitat aus Braveheart entsprechend lotrecht. Goss es am Morgen lediglich aus Kübeln, kam gegen Mittag noch ein äußerst unangenehmer Wind dazu.
Tag 8: Kingdom Of Fife
Die letzte Wanderetappe startete in St. Andrews, der Wiege des Golf-Sports, und führte an der Steilküste Ost-Schottlands vorbei. Auf der ca. 20 km langen Strecke reiht sich Golfplatz an Golfplatz. Wegen der sintflutartigen Regenfälle am Vortag waren weite Teile von Ost-Schottland überschwemmt, was dazu führte, dass kleine Bäche, welche hier in die See mündeten, zu kleinen Flüssen angeschwollen waren, die sich zum Teil nur barfuss passieren ließen.
Tage 9 & 10: Edinburgh
Die letzten beiden Tage verbrachten wir in Edinburgh. Die Hauptstadt Schottlands ist mit einem Mix aus mittelalterlichem Stadtkern und moderner Neustadt wirklich eine Reise wert.
Alles in Allem war unsere Wandertour durch Schottland eine wirklich gelungene Reise — auch ohne Ravioli und Moderna.
Die nächste Tour wird mit Sicherheit nicht solange auf sich warten lassen.
Gut Pfad
Die Freakbrothers
Die Tour:

- Quelle: Google
Die Teilnehmer:
Lutz Wollgarten
Holger Trellenkamp
Christoph Ley
Christoph Grundmann
Frank Letzner
Christian Bock
Daniel Poschmanns
Dirk Mikus
Christian Böker
Frank Pennartz
Stationen:
Glasgow
Balmaha
Rowardennan Lodge
Beinglass
Fort William
Mallaig
Loch Ness
Blai Atholl
Pitlochry
Perth
St. Andrews
Crail
Edinburgh
Fußweg:
ca. 110 km
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